Atlas und Wüste - Marokko Teil1

Veröffentlicht am 28. Juli 2025 um 13:54

Amizmiz - Sharp Stone Trail

Nach der wilden Stadt nun die Berge. Es ist unverändert heiß und trocken, das Land der Berber und Nomaden - unverändert vermüllt ist es allerdings auch. Es ziehen regelmäßig Rauchschwaden der privaten Müllverbrennung durch meine Autolüftung, nicht zu verwechseln mit den Grill- und Backdüften der ganzen Straßenimbisse und Bäckereien. Das Fleisch für die Taijin wird vorher gegrillt und dann zusammen mit dem Gemüse aller Art im Taijin gegahrt.

Amizmiz liegt am Eingang zum Hohen Atlas und man kommt zwangsläufig durch die Stadt die nicht wirklich viel zu bieten hat, ausser natürlich das normale marokkanische Treiben mit unzähligen Straßenverkäufern, Läden und Essensmöglichkeiten. Ich habe den Müll überall glaube ich schon erwähnt...dennoch gibt es 15km westlich der Stadt gelegen ein kleines Bergdorf, welches erstens über einen total geeigneten Platz um mit dem Camper zu stehen verfügt, dazu einen total angenehmen Bergaufpfad mit Ausblick und Trailabfahrt hat. Ich stehe seit dem späten Nachtmittag, lade die Batterien und döse die Hitze weg. Es ist dann doch recht viel Verkehr auf der Schotterstraße. Alle paar Minuten kommt eines dieser Mopeds, ein Auto oder ein berittener Esel vorbei. So ziemlich jeder grüßt von sich aus oder wird von mir animiert! Ich fühle mich wohl und auch sehr sicher. 

 

Des Nachts, ich liege gerade mal 10min in der Koje fahren zwei Autos vor und es klopft an der Tür. Ich öffne und es stellt sich mir die sogenannte "Bürgerwehr" bzw. die inoffizielle Landpolizei vor. Ausweisen können sie sich nicht die beiden, sind aber sehr höflich und nett, fragen nach meinem Pass und was ich vorhabe. Ich erzähle vom Vorhaben den Trail zu fahren und hier lediglich dafür eine Nacht stehen zu wollen. 

 

Einer der beiden spricht akzeptables Englisch und gibt mir zu verstehen, dass es kein Problem darstellt hier zu stehen und lässt mich wissen, dass es oben im Wald am Berg keinen Handyempfang mehr gibt und es deshalb ein Risiko darstellt. Ich zeige ihm meine GPS-Uhr mit dem darauf gespeicherten Track der kompletten Tour samt Karte und sage ihm ich benötige nicht zwingend Handyempfang. Die Herren verabschieden sich freundlich und ziehen vondannen. Mit Maroc Telekom vollen Pegel gehabt, den ganzen Tag!

 

Jetzt könnte man meinen ich kann endlich schlafen, da ich auch vor habe sehr früh aufzustehen um der Hitze zuvorzukommen. Ich liege eine weitere Weile und bin kurz vor dem Einschlafen oder war es schon, hupt ein Auto und es klopft erneut. Na wen haben wir nun dieses Mal, die besorgte Polizei. Ein smarter, sehr netter und perfekt Englisch sprechender Polizist überzeugt mich mit der royalen Gewalt des Landes ihm zu folgen und an einem "sicheren" Ort zu übernachten. Dieser ist mitten im nächsten Ort neben dem Grundstück eines Polizistenkollegen. Na Danke auch, es ist jetzt halb eins und ich wollte um sechs Uhr aufstehen.

Imlil

Schon ganz früh in der Ideensammlung was man alles so machen könnte auf dieser etwas längeren Reise, war klar dass es in Marokko in die Berge und am Besten zu den höchsten gehen muss. Imlil ist quasi das Zermatt oder Chamonix hier in Marokko. Ein Alpinismusmekka und für ganz viele Marokkoreisende ein festes Ziel im Reisekalender. Eingepfercht in steile Hänge liegt es auf ca. 1700m ü. M. und versprüht den Charme eines Berberdorfes gepaart mit üblichem Tourismus. Läden über Läden, nun auch etwas spezifischer mit Ausrüstung zum Bergsteigen und Trekking, auch ein, zwei MTB-Touren-Anbieter gibt es hier. Überwiegend wird aber geführtes Trekking zu den umliegenden Bergen und eigentlich zu 99% zum Toubkal angeboten. Der höchste Berg Nordafrikas mit etwas über 4100m ü. M. ist ein wahrer Magnet, da er kaum technisch ist und das ganze Jahr bestiegen werden kann.

Nicht das es ein Spaziergang wäre, es soll kein falscher Eindruck entstehen. Die Tour ist auf zwei Tage mit einer Übernachtung in einem Refuge auf 3200m ü. M. angelegt und darf seit ein paar Jahren nur noch mit Guide begangen werden. Demzufolge ist das halbe Dorf ein "Guide" und jeder will dich und jeden anderen dort "hochschleifen". Ich hatte mir viele Gedanken gemacht und kam zum Entschluß den Berg nicht zu machen. Ein wenig wegen der Besteigung bei 35°C und mehr, aber hauptsächlich wegen dem Abstieg. Dieser findet in einer Session statt und dass sind dann stattliche 2400Tm am Stück.

Meine Erfahrung mit so vielen Tiefenmetern ist genau die eine(es waren damals nur ca. 2000Tm vom Hohen Riffler) und diese endete mit einer Knochenhautentzündung und 3 Wochen starken Schmerzen bei Belastung! Ich bin fein mit meiner Entscheidung und mache lediglich eine kleine Rundtour zum Eingang des Nationalpark-Toubkal und zurück. Auf diesem Wege trifft man auch alle Toubkal-Ritter*innen. Leute welche dem Anschein nach öfter mal Berge begehen und leider, meiner Einschätzung nach, überwiegend Menschen die mit Bergen nicht viel zu tun haben und sich nach oben "schleifen" lassen.

Ein Beispiel: ein Junge bekommt mit dass ich deutscher bin und spricht mich auf deutsch an wo ich her komme. Wir quatschen kurz und es stellt sich heraus das er und sein Dad, aus Mönchengladbach, mit Bergen noch nie im Leben in Kontakt gekommen, den 4100m hohen Toubkal besteigen. Beide von einem jungen Guide gezogen und motiviert. Der Vater hat schon beim Weg zum Eingang des Nationalpark(man muss dort seinen Reisepass vorzeigen und wird registriert) zu kämpfen und strauchelt bei der Hitze umher. Beide haben keine Wanderschuhe, wie aber hier erwähnt, viele andere auch nicht und nur ganz kleines Gepäck und eine Wasserflasche dabei. Den Rest hat natürlich einer der vielen Mulis auf dem Buckel.

Es ist ein bisschen wie am Mount Everest nur für wirklich Jedermann und Jederfrau und in günstig!

 

Ich bin fein mit meiner Entscheidung, drehe meine Runde und esse ein lecker Wassereis! In Imlil stehe ich 3 Nächte und überlege kurz noch einen MTB-Guide zu aktivieren. Nach Recherge der Tourmöglichkeiten lasse ich auch dieses Vorhaben sausen. Warum? Es ist mir auch zu viel. Tagestour bei 37°C und 1500Hm mit 40km - Nönönö

Gas Haven "The Hill have Eyes"

Es ging weiter! Durch die Berge schneidet die N9, eine gut ausgebaute Bundesstraße oder in den Bergen ein nie enden wollender Pass. Es brennt der Asphalt, es ist wunderschön hier mittendrin im Gebirge und die Kilometerlis schmelzen mit mir in der Hitze. An einer der zwei Passhöhen finde ich einen netten Verkäufer für Zeugs.

 

 

Erster Halt nach der Überquerung des Gebirges ist ein altes Filmset mitten in der Wüste. Wer "The Hills have Eyes" kennt, kennt diese Tankstelle. Gas Haven lädt ein, ein paar Bilder zu schießen und mehr ist es auch nicht. Ich hatte auf dem Weg dorthin, eine kleine Abkürzung durch wirkliches Niemandsland genommen, etwa 12km Straße die schon auch ein bisschen Horror versprühte! Nichts ausser Sand und Steine und eine kleine Oase!

 

An der Tanke angekommen kocht der Boden und ich knippse ganz schnell und will direkt weiter weil unangenehm warm.

 

Der nächste Halt auf dem Weg nach Ouarzazate ist eine alte Ruine mit dazugehörigem historischen Dorf.

Den wollte ich euch natürlich nicht vorenthalten. Schöner Stein mit Inhalt. Amethyst? aber in Rot? - klärt mich auf!

Puh, das war Teil eins und ehrlich es ist eine Arbeit gewesen! Bis bald :-)

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Kommentare

Roman
Vor 6 Monate

Auflösung zum Stein kommt von einem aufrichtigen Händler aus dem Dades-Tal. Die Steine sind so ziemlich alle neutral, also eher weiß und werden nach dem öffnen gefärbt. Original wenn er farbig ist geht es in die tausende meinte er. Trotzdem geiles Ding! 😄

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